Prämenopause: Warum diese Wechseljahresphase eigentlich keine ist

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Prämenopause: Warum diese Wechseljahresphase eigentlich keine ist

Wer nach den Phasen der Wechseljahre sucht, findet häufig dieses Modell: Prämenopause → Perimenopause → Menopause → Postmenopause

Der Prämenopause werden dabei meist Frauen Anfang oder Mitte 40 zugeordnet, die erste Beschwerden haben oder deren Zyklus sich bereits verändert. Erst danach soll die Perimenopause beginnen.

Genau diese Einordnung ist so nicht korrekt. „Prämenopause“ ist international keine eindeutig definierte erste Phase der Wechseljahre.

Prämenopause: Warum der Begriff für Verwirrung sorgt

Der englische Begriff premenopause bedeutet zunächst einmal: vor der Menopause. Das klingt eindeutig, wurde und wird in Forschung und Medizin aber keineswegs einheitlich verwendet.

Bereits die WHO wies darauf hin, dass „premenopause“ unterschiedlich gebraucht wird: teilweise für die ein bis zwei Jahre unmittelbar vor der Menopause, teilweise für die gesamte reproduktive Lebensphase bis zur letzten Menstruation. Für Letzteres hatte sich die WHO damals als bevorzugte Verwendung ausgesprochen.

Eine grosse wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 bestätigt, dass das Problem bis heute besteht. Die Autoren untersuchten die verwendeten Definitionen in der Forschung und fanden gerade beim Begriff „premenopause“ erhebliche Unterschiede. Ihre Empfehlung: Wer ihn verwendet, sollte genau definieren, was damit gemeint ist.

Auch im wichtigsten wissenschaftlichen System zur Einteilung des reproduktiven Alterns, STRAW+10, kommt die Prämenopause als eigenes Stadium gar nicht vor. Unterschieden wird dort vielmehr zwischen der reproduktiven Lebensphase, dem Übergang rund um die Menopause und der Zeit danach.

„Prämenopause“ ist also nicht grundsätzlich ein falscher Begriff. Irreführend wird es, wenn daraus eine klar abgegrenzte erste Phase der Wechseljahre gemacht wird, auf die anschliessend erst die Perimenopause folgt.

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Frühe und späte Perimenopause

Die hormonellen Veränderungen der Perimenopause können bereits beginnen, während die Periode noch regelmässig kommt. Darauf weist unter anderem das Centre for Menstrual Cycle and Ovulation Research (CeMCOR) der University of British Columbia hin.

CeMCOR geht davon aus, dass eine sehr frühe Perimenopause schon bei regelmässigen und normal langen Zyklen beginnen kann, wenn sich typische Beschwerden und die hormonelle Dynamik verändern. Die Forschenden weisen ausdrücklich darauf hin, dass sie damit über die derzeitige formale Konsensdefinition hinausgehen.

Im weiteren Verlauf verändern sich bei vielen Frauen auch Zykluslänge und Blutungsmuster, bevor die Menstruation schliesslich ganz ausbleibt. Mehr über die frühe und späte Perimenopause, ihre hormonellen Veränderungen und typischen Anzeichen liest du in unserem Artikel „Was ist die Perimenopause?“.

Die Menopause selbst bezeichnet übrigens keine längere Phase, sondern den Zeitpunkt der letzten natürlichen Menstruation. Sie lässt sich erst rückblickend bestimmen, wenn zwölf Monate lang keine weitere Menstruation aufgetreten ist. Danach beginnt die Postmenopause.

Warum eine genaue Begriffsdefinition wichtig ist

Die Begriffe beeinflussen auch, wann Frauen die Wechseljahre als mögliche Erklärung für Veränderungen ihres Körpers in Betracht ziehen. So beschreibt die WHO die Perimenopause als den Zeitraum ab den ersten erkennbaren Anzeichen der hormonellen Umstellung bis ein Jahr nach der letzten Menstruation. Die häufige Darstellung „erst Prämenopause mit ersten Veränderungen, danach Perimenopause“ passt damit nicht zu dieser Einordnung.

Besonders relevant wird das, wenn erste Beschwerden auftreten, obwohl die Periode noch regelmässig kommt. Wer gelernt hat, dass die eigentlichen Wechseljahre erst später beginnen, bringt Veränderungen bei Schlaf, Stimmung, PMS, Blutung oder Temperaturregulation möglicherweise gar nicht damit in Verbindung.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass jedes neue Symptom ab 40 automatisch durch die Perimenopause verursacht wird. Beschwerden können viele Ursachen haben und sollten bei Bedarf medizinisch abgeklärt werden.

Die Perimenopause sollte aber auch nicht allein deshalb ausgeschlossen werden, weil eine Frau noch regelmässig ihre Periode bekommt oder vermeintlich „zu jung“ für die Wechseljahre ist.

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Wechseljahre sind nicht nur Östrogenmangel

Eine falsche Einordnung der Phasen kann noch ein weiteres Missverständnis fördern: Die Wechseljahre werden häufig so dargestellt, als würde Östrogen ab einem bestimmten Alter gleichmässig immer weiter sinken. So linear verläuft die hormonelle Umstellung nicht.

Gerade während der Perimenopause können die Hormonspiegel stark schwanken. Eisprünge finden zunehmend unregelmässig statt, wodurch sich auch die Progesteronproduktion verändert. Östrogen kann zeitweise niedriger, zu anderen Zeitpunkten aber auch höher sein.

CeMCOR beschreibt perimenopausale Östrogenspiegel als teilweise höher, variabler und weniger vorhersehbar als zuvor. Auch STRAW+10 beschreibt ausgeprägte hormonelle Schwankungen während des Übergangs zur Menopause. Einzelne Hormonwerte können deshalb nur begrenzt zeigen, in welcher Phase sich eine Frau gerade befindet.

Die Vorstellung einer klar abgetrennten „Prämenopause“, in der lediglich erste Beschwerden auftreten, bevor später die eigentliche Perimenopause beginnt, kann deshalb auch ein zu vereinfachtes Bild der hormonellen Entwicklung vermitteln.

Prämenopause, Perimenopause, Menopause: Das solltest du dir merken

Die wissenschaftlichen Details sind komplex. Die wichtigste Botschaft ist aber ziemlich einfach:

  • „Prämenopause“ ist keine klar definierte erste Phase der Wechseljahre. Der Begriff wird unterschiedlich verwendet und kann deshalb ein falsches Bild davon vermitteln, wann die hormonelle Umstellung beginnt.
  • Die hormonellen Veränderungen können schon begonnen haben, obwohl die Periode noch regelmässig kommt.
  • Die Menopause ist nur ein Zeitpunkt: die letzte natürliche Periode.
  • Die Hormone verändern sich nicht gleichmässig. Gerade in der Perimenopause können sie stark schwanken.

Genau deshalb halten wir die verbreitete Darstellung „Prämenopause → Perimenopause → Menopause → Postmenopause“ für irreführend. Sie suggeriert eine klar abgegrenzte Vorstufe vor der eigentlichen Perimenopause, die es so wissenschaftlich nicht gibt.

Dabei ist gerade die Perimenopause eine besonders bewegte Phase der Wechseljahre: Die Hormone können stark schwanken, und für viele Frauen treten in dieser Zeit deutlich spürbare Beschwerden auf. Die Unterscheidung zwischen früher und später Perimenopause hilft deshalb, besser zu verstehen, was im Körper passiert – statt einen Teil dieser Veränderungen in eine vermeintliche „Prämenopause“ auszulagern.

Je klarer wir diese Phase benennen, desto besser können Frauen ihre Veränderungen einordnen – und desto geringer ist die Gefahr, dass die Perimenopause unnötig spät erkannt wird.

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Studien & Quellen

World Health Organization. (2024, 16. Oktober). Menopause.

Harlow, S. D., Gass, M., Hall, J. E., et al. (2012). Executive summary of the Stages of Reproductive Aging Workshop +10: addressing the unfinished agenda of staging reproductive aging. Climacteric, 15(2), 105–114. doi:10.3109/13697137.2011.650656

Ambikairajah, A., Walsh, E., & Cherbuin, N. (2022). A review of menopause nomenclature. Reproductive Health, 19(1), 29. doi:10.1186/s12978-022-01336-7

Centre for Menstrual Cycle and Ovulation Research. (o. D.). How can I tell I am in perimenopause?